Fragen
Wie erstelle ich eine Finanzplanung für mein Ingenieurbüro?
Die Art der Finanzplanung, die Sie erstellen müssen, ergibt sich aus der Rechtsform Ihres Ingenieurbüros und Ihrer Finanzierung. Zu den typischen Komponenten einer Finanzplanung gehören die Liquiditätsplanung, die Erfolgsplanung (entweder als Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) für kleine Personengesellschaften und Freiberufler oder als Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für Kapitalgesellschaften), die Investitionsplanung und gegebenenfalls eine Planbilanz. Es wird empfohlen, eine Liquiditäts- und Erfolgsplanung für mindestens 24 Monate zu erstellen. Für eine brauchbare Liquiditätsplanung ist zudem zwingend eine Investitionsplanung erforderlich. Weitere Informationen finden Sie unter Finanzplanung.
Was gehört in eine Liquiditätsplanung?
Eine Liquiditätsplanung, auch Cash-Planung genannt, stellt alle Zahlungen in ihrer zeitlichen Reihenfolge dar, um daraus den Kontostand ermitteln zu können. Sie ist besonders kritisch und wichtig für zyklische Geschäfte und sollte immer für mindestens 24 Monate erstellt werden. Aus der Liquiditätsplanung kann zudem der Kapitalbedarf abgelesen werden. Einen detaillierten Einblick erhalten Sie unter Liquiditätsplanung (= Cash-Planung).
Was ist eine Investitionsplanung?
Eine Investitionsplanung listet die geplanten Investitionen in Anlagegüter zusammen mit der Absetzung für Abnutzung (AfA) auf. Als Investitionen gelten dabei nicht alle großen Ausgaben, sondern nur der Kauf von Wertgegenständen wie Autos, Maschinen, Anlagen oder Immobilien, die Sie prinzipiell auch verkaufen könnten. Werbung beispielsweise ist keine Investition.
Eine Investitionsplanung ist notwendig für eine brauchbare Liquiditätsplanung. Weitere Details finden Sie unter Investitionsplanung.
Wie funktioniert eine Erfolgsplanung (GuV)?
Die Erfolgsplanung ist für Kapitalgesellschaften (wie eine GmbH) die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Im Rahmen der doppelten Buchführung wird bei der GuV der Gewinn ermittelt, indem von den erstellten Werten der benötigte Aufwand, einschließlich Kosten wie der Absetzung für Abnutzung (AfA), abgezogen wird. Dabei wird nicht die Zahlung, sondern die erstellte Leistung und der Ressourcenverbrauch zum Zeitpunkt der Erstellung bzw. des Verbrauchs betrachtet (Soll-Versteuerung). Das bedeutet, Steuern werden fällig, wenn die Leistung erbracht wurde, unabhängig davon, ob bereits eine Zahlung eingegangen ist. Diese Thematik wird unter Doppelte Buchführung: Buchhaltung für Kapitalgesellschaften näher beleuchtet.
Wann brauche ich eine Planbilanz?
Eine Planbilanz wird häufig für Kapitalgesellschaften gefordert. Sie ist ein Teil der doppelten Buchführung, bei der das Vermögen im Betrieb (Aktiva) der Finanzierung des Unternehmens (Passiva) gegenübergestellt wird. Die Werte auf beiden Seiten der Bilanz müssen dabei gleich sein, wodurch auch der Gewinn ermittelt werden kann. Einen tieferen Einblick erhalten Sie unter Doppelte Buchführung: Buchhaltung für Kapitalgesellschaften und Finanzplanung.
Was bedeutet Zahlungswirksamkeit vs. Ergebniswirksamkeit?
Der Unterschied zwischen Zahlungswirksamkeit und Ergebniswirksamkeit ist für Selbstständige und Unternehmen wichtig, da er sich direkt auf die finanzielle Gesundheit des Unternehmens auswirkt.
- Zahlungswirksamkeit: Ein Vorgang ist zahlungswirksam, wenn tatsächlich Geld fließt, sei es als Einnahme (Kunde bezahlt Rechnung) oder Ausgabe (Sie begleichen eine Rechnung). Zahlungen wirken sich direkt auf den Kontostand (Cash-Bestand) und die Liquidität Ihres Unternehmens aus. Die Summe aller Geldzuflüsse und -abflüsse wird als Cashflow bezeichnet.
- Ergebniswirksamkeit: Ein Vorgang ist ergebniswirksam, wenn er Ihre Vermögensverhältnisse verändert. Der Kauf eines Computers, der Geld gegen einen Vermögensgegenstand tauscht, ist beispielsweise zunächst nicht ergebniswirksam. Erst der Wertverlust des Computers (AfA) ist ergebniswirksam. Die Vermögensänderung wird als Betriebsergebnis (Gewinn oder Verlust) bezeichnet, auf dessen Basis Leistungssteuern ermittelt werden. Ein Beispiel: Eine Ausgangsrechnung ist erst zahlungswirksam, wenn der Kunde sie bezahlt. Ergebniswirksam ist sie in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) bereits bei Rechnungsstellung, in der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) hingegen erst mit der Zahlung. Weitere Informationen finden Sie unter Zahlungswirksamkeit vs. Ergebniswirksamkeit.
Wie wirkt sich AfA (Abschreibung) auf meine Planung aus?
Die Absetzung für Abnutzung (AfA) ist eine Art „Abschreibung“ für Wirtschaftsgüter wie Computer, die Sie für Ihr Unternehmen anschaffen und deren Wert über die Zeit abnimmt. Der Kauf eines solchen Wirtschaftsgutes ist zunächst zahlungswirksam (Geld fließt ab), aber nicht ergebniswirksam, da lediglich Geld gegen einen anderen Vermögensgegenstand getauscht wird. Der spätere Wertverlust des Wirtschaftsgutes ist jedoch ergebniswirksam, aber nicht zahlungswirksam. Die AfA ermöglicht es Ihnen, die Kosten für diese Wirtschaftsgüter über einen bestimmten Zeitraum steuerlich geltend zu machen und damit Rücklagen für die Ersatzbeschaffung zu bilden. In der Investitionsplanung werden geplante Investitionen in Anlagegüter zusammen mit der AfA aufgelistet. Einen detaillierten Einblick erhalten Sie unter AfA – Absetzung für Abnutzung.
Häufig Fragen & Antworten zur Gründung eines Ingenieurbüros: Förderungen und Finanzierung
Welche Förderungen gibt es für die Gründung eines Ingenieurbüros?
Für die Gründung eines Ingenieurbüros gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten. Eine besonders sinnvolle Förderung ist der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit sowie das begleitende Gründungscoaching, welches von der Agentur für Arbeit finanziert wird. Darüber hinaus gibt es weitere, sich ändernde Förderungen, die darauf abzielen, Kosten oder Ausgaben zu reduzieren oder eine teilweise Risikoübernahme im Rahmen von Finanzierungen zu ermöglichen. Zu den wichtigen Finanzierungsförderungen für Gründer zählen zudem KFW-Förderkredite und Förderkredite der Landesbanken, die eine Haftungsfreistellung für die Bank von bis zu 80% der Kreditsumme bieten können. Es ist jedoch ratsam, sich nicht zu sehr von diesen Förderungen abhängig zu machen, da sich die Bedingungen schnell ändern können.
Wie bekomme ich den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur?
Der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit ist eine wichtige Unterstützung. Er ermöglicht es Ihnen, für die ersten sechs Monate der Selbstständigkeit das Arbeitslosengeld I plus 300€ monatlich zu erhalten, wodurch Ihr Lebensunterhalt und die Krankenversicherung gesichert sind. Wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen, können Sie zudem eine Arbeitslosenversicherung bei der Agentur für Arbeit abschließen, was Ihre Risiken reduziert. Ein Gründungscoaching, das ebenfalls von der Agentur für Arbeit bezahlt wird, ist entscheidend, um Fehler bei der Antragsstellung oder im Businessplan zu vermeiden. Solche Coaches helfen Ihnen auch dabei, die Marktfähigkeit Ihres Geschäftsmodells kritisch zu hinterfragen und zu verbessern. Für die Auswahl eines passenden Bildungsträgers für Ihr Coaching wird „Startup Profi“ als gute Wahl genannt, da dort Wert auf qualifizierte und branchenerfahrene Coaches gelegt wird.
Welche KfW-Förderprogramme gibt es für Ingenieure?
Im Bereich der Gründungsfinanzierung werden KFW-Förderkredite als eine der wichtigsten allgemein zugänglichen Finanzierungsförderungen für Gründer genannt. Das Wesentliche dieser Kredite ist, dass die Förderbank eine Haftungsfreistellung von bis zu 80% der Kreditsumme für die finanzierende Bank übernimmt. Dies reduziert das Kreditrisiko der Bank erheblich und kann die Kreditvergabe erleichtern. Es handelt sich dabei um Förderinstrumente, bei denen Sie als Gründer jedoch immer selbstschuldnerisch gegenüber der Bank und der Förderbank bürgen müssen.
Wie finde ich passende Förderprogramme für mein Bundesland?
Um passende Förderprogramme zu finden, können Sie die Förderdatenbank des Bundeswirtschaftsministeriums nutzen. Diese Datenbank dokumentiert die meisten Förderprogramme, die von der EU, dem Bund und den einzelnen Bundesländern angeboten werden. Beachten Sie jedoch, dass kommunale Förderprogramme in dieser Datenbank nicht enthalten sind. Für Informationen zu kommunalen Programmen müssten Sie sich daher direkt bei Ihrer Kommune erkundigen.
Wie funktioniert die Finanzierung eines Ingenieurbüros?
Die Finanzierung eines Ingenieurbüros erfordert sorgfältige Planung, da sich Gründer als Unternehmer noch nicht bewiesen haben und Banken daher eine höhere Unsicherheit sehen. Um die Finanzierung zu sichern, sollten Sie folgendes beachten:
- Eigenkapital: Zeigen Sie, dass Sie mit Geld umgehen können, indem Sie Eigenkapital vorweisen.
- Bonität: Eine gute Bonität ist entscheidend. Prüfen Sie Ihre Schufa vorab und bereinigen Sie diese gegebenenfalls.
- Finanzierungsfähiger Businessplan: Sie benötigen einen detaillierten Businessplan, der Ihr organisatorisches und kaufmännisches Verständnis zeigt. Dieser muss eine Liquiditätsplanung, Erfolgsplanung (EÜR/GuV) und Investitionsplanung für 24 bis 48 Monate sowie gegebenenfalls eine Planbilanz enthalten.
- Belege: Alle Angaben müssen belegbar sein, einschließlich Berufsabschlüssen und Eignungen.
- Private Selbstauskunft: Eine detaillierte Aufstellung Ihrer privaten Einnahmen, Ausgaben und Ihres Vermögens ist erforderlich. Um die Zeit bis zum ersten Zahlungseingang finanziell zu überbrücken, können Nebentätigkeiten, Gründungsunterstützung der Agentur für Arbeit, Rücklagen oder Kreditfinanzierungen genutzt werden. Zudem kann es für Arbeitnehmer einfacher sein, vor der Gründung einen Konsumentenkredit oder eine Hypothek ohne Zweckbindung aufzunehmen.
Warum ist Eigenkapital wichtig für die Finanzierung? Eigenkapital ist für die Finanzierung von großer Bedeutung, da es als Indikator für Ihre Fähigkeit im Umgang mit Geld gilt. Die Quelle betont: „Wer kein Geld hat, kann mit Geld nicht umgehen. Wer nicht mit Geld umgehen kann, ist ein schlechter Kreditnehmer. Also sollten Sie Eigenkapital vorweisen können.“. Das Vorhandensein von Eigenkapital signalisiert den Banken Sicherheit und verbessert Ihre Position als Kreditnehmer.
Welche Unterlagen brauche ich für einen Kredit?
Für eine erfolgreiche Kreditbeantragung benötigen Sie umfassende Unterlagen, die der Bank Sicherheit bieten und Ihr Verständnis des Geschäftsmodells belegen:
- Ein finanzierungsfähiger Businessplan, der Ihr Geschäft organisatorisch und kaufmännisch darlegt.
- Eine Liquiditätsplanung für mindestens 24 Monate.
- Eine Erfolgsplanung für mindestens 24 Monate (Einnahmenüberschussrechnung für Personengesellschaften oder Gewinn- und Verlustrechnung für Kapitalgesellschaften).
- Eine Investitionsplanung.
- Gegebenenfalls eine Planbilanz für Kapitalgesellschaften.
- Detaillierte Nachweise Ihrer Berufsabschlüsse und Eignungen.
- Eine detaillierte Selbstauskunft über Ihre privaten Einnahmen und Ausgaben sowie Ihr Vermögen. Eine gute Liquiditätsplanung ist dabei eine wichtige Voraussetzung, um den Kapitalbedarf abzulesen.
Was sind Bürgschaftsbanken und wie helfen sie mir?
Bürgschaftsbanken bieten eine Möglichkeit zur Kreditabsicherung, falls die Finanzierung über Förderkredite der KfW oder Landesbanken nicht ausreicht. Ihre Rolle besteht darin, eine Kreditverbürgung bereitzustellen, die das Risiko für die Hausbank noch einmal reduziert. Dies kann die Kreditvergabe erleichtern, da das verbleibende Risiko für die Bank möglicherweise unter bestimmte Bagatellgrenzen fällt. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass Sie als Gründer immer selbstschuldnerisch gegenüber der Bank und der Bürgschaftsbank bürgen müssen, was bedeutet, dass Sie persönlich für den Kredit haften.
