Fragen
Kosten- und Finanzrisiken
Was sind Fixkosten und wie wirken sie sich auf mein Ingenieurbüro aus?
Fixkosten sind die Kosten, die die Struktur Ihres Ingenieurbüros finanzieren. Dazu zählen beispielsweise die Grundmiete, Leasingraten für Fahrzeuge oder Telefonkosten. Diese Kosten sind nicht zwingend „fest“ im Sinne von unveränderlich, sondern resultieren aus unternehmerischen Entscheidungen.
Die Auswirkungen sind signifikant:
- Je höher Ihre Fixkosten sind, desto höher ist das Risiko für Ihr Unternehmen.
- Fixkosten zehren zuerst die Einnahmen auf und, falls diese nicht ausreichen, auch das Kapital.
- Steigende Strukturkosten führen zu einem höheren Breakeven oder einer höheren Gewinnschwelle, was bedeutet, dass Sie mehr Umsatz generieren müssen, um Verluste zu vermeiden.
Weitere Informationen finden Sie unter Kostenrisiken > Fixkosten.
Was sind variable Kosten in einem Ingenieurbüro?
Variable Kosten sind jene Kosten, die für die Auftragsabwicklung benötigt werden und sich mit der Stückzahl ändern. Im produzierenden Gewerbe oder bei Handwerkern sind dies primär Materialkosten. Für Berater und Ingenieure können dazu beispielsweise auch Reisekosten zu Einsatzorten zählen.
Steigende variable Kosten führen dazu, dass Ihre Marge sinkt. Eine sinkende Marge wiederum erhöht den Breakeven oder die Gewinnschwelle, sodass mehr Umsatz erzielt werden muss, um keinen Verlust zu machen.
Weitere Details finden Sie unter Kostenrisiken > Materialkosten bzw. variable Kosten.
Was ist das Auslastungsrisiko und wie gehe ich damit um?
Das Auslastungsrisiko beschreibt den Effekt, dass scheinbar variable Kosten plötzlich zu Fixkosten werden, wenn die Auslastung unter bestimmte Grenzen fällt. Es tritt überall dort auf, wo Mindestmengen bezogen werden müssen. Ein prägnantes Beispiel ist die Beschäftigung von Mitarbeitern: Mitarbeiter erhalten jeden Monat Lohn und Gehalt, unabhängig davon, ob genügend Geschäft vorhanden ist oder nicht. Dabei fallen nicht nur Nettolöhne, sondern auch Lohnsteuer und Sozialabgaben an.
Um mit diesem Risiko umzugehen, sollten Sie bei Auslastungsschwächen schnell reagieren und prüfen, ob Sie Kosten beispielsweise durch Kurzarbeitergeld abwälzen können.
Umfassende Informationen zum Auslastungsrisiko finden Sie unter Kostenrisiken > Auslastungsrisiko und Risiken mit Mitarbeitern > Auslastungsrisiko.
Wie berechne ich die Gewinnschwelle meines Ingenieurbüros?
Die Gewinnschwelle (oder Breakeven) ist der Umsatz, den Sie erreichen müssen, um keinen Verlust zu machen. Es ist eine essenzielle Größe für die Unternehmenssteuerung.
Sie berechnen die Gewinnschwelle, indem Sie Ihre Fixkosten durch den Deckungsbeitrag teilen. Der Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn Sie den Materialanteil (variables Kosten im Verhältnis zum Umsatz ohne Umsatzsteuer) von 100 % abziehen.
Eine hohe Gewinnschwelle bedeutet oft ein hohes Risiko. Um im Preiswettbewerb bestehen zu können, müssen Sie sicherstellen, dass Ihr Deckungsbeitrag höher und Ihre Fixkostenbasis günstiger ist als die der Wettbewerber.
Detaillierte Erläuterungen finden Sie unter Kostenartenrechnung > Gewinnschwelle.
Welche Betriebskapitalrisiken gibt es?
In den meisten Unternehmen ist Kapital gebunden, das verloren gehen oder entwertet werden kann. Zu den Betriebskapitalrisiken zählen:
- Entwertung: Dies kann durch Wertverlust geschehen, beispielsweise wenn gelagerte Waren wie Baustahl oder Kupferrohre an Marktpreis verlieren, verderben oder nach geltendem Recht nicht mehr verkauft werden dürfen.
- Verlust: Betriebskapital kann durch Diebstahl oder Transportschäden verloren gehen.
- Zahlungsausfälle: Offene Forderungen gegen Kunden sind ein häufiger Grund für den Verlust von Betriebskapital.
Eine ausführliche Darstellung finden Sie unter Betriebskapitalrisiken.
Wie gehe ich mit Zahlungsausfällen von Kunden um?
Zahlungsausfälle können durch äußere Ereignisse wie die Insolvenz eines Kunden, Unerreichbarkeit des Kunden oder Reklamationen hinsichtlich Qualität oder Lieferzeit entstehen.
Um Zahlungsausfälle zu minimieren, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Vorkasse erheben: Sorgen Sie dafür, dass Sie das Geld möglichst per Vorkasse erhalten, da dies die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls am geringsten macht.
- Vertragserfüllung sicherstellen: Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Verträge tatsächlich erfüllen können.
- Factoring nutzen: Durch den Verkauf von Forderungen (Factoring) können Zahlungsausfälle bereits erstellter Rechnungen reduziert werden.
Detailliertere Informationen finden Sie unter Betriebskapitalrisiken > Zahlungsausfall.
Was passiert bei der Insolvenz eines Kunden?
Die Insolvenz eines Kunden hat weitreichende Folgen über den bloßen Verlust des Geldes hinaus.
- Rückforderungen durch Insolvenzverwalter: Wenn Sie Ihrem Kunden ein Zahlungsziel (Lieferantenkredit) eingeräumt haben, können Sie bei einer Insolvenz im gleichen Rang wie ein Kreditgeber stehen. Der Insolvenzverwalter kann bereits erhaltenes Geld, oft aus den letzten drei Monaten, zur Masse zurückfordern, und in Fällen, in denen Sie die kritische Situation des Kunden kannten, kann dieser Zeitraum deutlich ausgeweitet werden. Dies kann zu erheblichen Zahlungsschwierigkeiten für Ihr eigenes Unternehmen führen.
- Kündigung langfristiger Verträge: Langfristige Verträge mit dem insolventen Kunden können fristlos gekündigt werden, während Ihre Verpflichtungen gegenüber Ihren Lieferanten bestehen bleiben, was eine Kosten- oder Ausgabenfalle zur Folge haben kann.
Weitere Informationen finden Sie unter Betriebskapitalrisiken > Insolvenz von Kunden.
Wie kann ich mich gegen Zahlungsausfälle absichern?
Um sich gegen Zahlungsausfälle abzusichern, gibt es mehrere Strategien:
- Vorkasse: Fordern Sie wenn möglich Vorkasse von Ihren Kunden. Dies minimiert das Risiko eines Zahlungsausfalls erheblich.
- Vertragserfüllung: Sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre vertraglichen Leistungen stets vollständig und korrekt erbringen.
- Factoring: Nutzen Sie Factoring-Dienste, bei denen Sie Ihre Forderungen verkaufen können. Dies kann die Reduzierung von Zahlungsausfällen bei bereits erstellten Rechnungen bewirken.
Für eine detaillierte Betrachtung dieser Absicherungsstrategien besuchen Sie bitte Betriebskapitalrisiken > Absicherung gegen Zahlungsausfälle.
Häufig Fragen & Antworten zur Gründung eines Ingenieurbüros: Spezielle Ingenieur-Risiken
Welche besonderen Risiken haben Bauingenieure?
Bauingenieure, Statiker und Architekten werden bereits während ihres Studiums auf die spezifischen Risiken ihres Berufs hingewiesen. Zu den besonderen Risiken zählen:
- Die Haftung für die Sicherheit ist eine zentrale Verantwortung des Bauingenieurs.
- Änderungen in Bauvorschriften, Baugenehmigungsverfahren oder Bauverzögerungen können zu erheblichen finanziellen Schäden führen.
- Wetterereignisse oder Bodenveränderungen können Bauprojekte gefährden.
Weitere Informationen finden Sie unter Spezifische Risiken von Ingenieuren > Bauingenieure, Statiker und Architekten werden schon im Studium auf die Risiken aus dem Beruf hingewiesen..
Was ist Produkthaftung für entwickelnde Ingenieure?
Ingenieure, die Produkte erstellen, haften für deren Funktion und Sicherheit. Dies betrifft insbesondere Konstrukteure und Produktdesigner, die für die Funktion und Sicherheit der von ihnen entwickelten Produkte verantwortlich sind.
Detaillierte Erläuterungen finden Sie unter Spezifische Risiken von Ingenieuren > Wer Produkte erstellt, haftet für die Funktion und Sicherheit..
Welche Risiken bestehen bei Anlagensicherheit und Elektrik?
Wer elektrische Anlagen plant, errichtet oder in Betrieb nimmt, haftet für die elektrische Anlagensicherheit. Dies ist ein spezifisches Risiko, das Ingenieure in diesem Bereich beachten müssen.
Umfassende Informationen hierzu finden Sie unter Spezifische Risiken von Ingenieuren > Aus dem Studium bekannt: Haftung für die elektrische Anlagensicherheit.
Was sind Projektrisiken bei Festpreisprojekten?
Ingenieurbüros, die Projekte zu Festpreisen liefern, unterliegen den Risiken aus der Pflicht zur Vertragserfüllung. Dazu gehören die Termineinhaltung, Preiseinhaltung und die Erfüllung der Qualitätsanforderungen. Wenn Kunden Zahlungsschwierigkeiten haben, das Projekt nicht mehr wünschen oder andere unvorhergesehene Probleme auftreten, kann dies schnell zu ernsthaften Schwierigkeiten führen, insbesondere wenn Ihr Unternehmen auf Zahlungen angewiesen ist oder in Vorleistung gegangen ist.
Weitere Details finden Sie unter Spezifische Risiken von Ingenieuren > Projektrisiken: Ingenieurbüros liefern häufig Projekte zu Festpreisen.
Wie gehe ich mit technischen Normen und Sicherheitsvorschriften um?
Ingenieurbüros müssen alle relevanten Gesetze, Normen und Standards einhalten, die Planungen und Auslegungen definieren.
Im Umgang damit sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Abweichungen von Normen und Standards sind immer dokumentations- und erklärungsbedürftig, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Systemen oder Systemen mit expliziten gesetzlichen Auswirkungen.
- Im Bereich der Baustatik sind Abweichungen beispielsweise oft nahezu ausgeschlossen.
- Der leitende Ingenieur muss beurteilen und schriftlich dokumentieren können, ob etwas sicherheitsrelevant ist.
- Für die Entwicklung und den Betrieb von Produkten, wie z.B. eines Autos auf öffentlichen Straßen, sind Prüfungen durch zugelassene Sachverständige und eine umfassende Dokumentation erforderlich, die die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen erklärt.
Ausführliche Informationen finden Sie unter Handlungskompetenzen und Pflichtmitgliedschaften für Ingenieurbüros > Handlungskompetenzen: Was darf ein Ingenieurbüro?.
Häufig Fragen & Antworten zur Gründung eines Ingenieurbüros: Businessplan
Brauche ich einen Businessplan für mein Ingenieurbüro?
Die Notwendigkeit eines ausformulierten Businessplans hängt von Ihrer Denkweise und Ihren Zielen ab. Wenn Sie ein Mensch sind, der schriftlich denkt, sollten Sie auf jeden Fall einen schriftlichen Businessplan erstellen. Für diejenigen, die eher nicht schriftlich denken, ist ein Businessplan primär dann erforderlich, wenn er als Unterlage zur Kapitalbeschaffung bei Förderinstitutionen, Investoren oder Banken benötigt wird. Unabhängig davon, ob schriftlich oder nicht, sollte jeder Unternehmer sein Geschäft, die Wertschöpfung, das Marketing, die Geldströme und die Risiken durchdenken.
Was gehört in einen Businessplan für Ingenieure?
Ein Businessplan sollte alle möglichen geschäftlichen Aspekte berücksichtigen. Dazu gehört das Durchdenken des Geschäfts, der Wertschöpfung und des Marketings. Des Weiteren sind eine Analyse der Geldströme und eine Bewertung der Risiken essenziell. Wenn der Businessplan zur Kapitalbeschaffung dient, werden zusätzlich eine Investitionsplanung, eine Liquiditätsplanung und eine Erfolgsplanung für 24 bis 48 Monate benötigt. Die Erfolgsplanung umfasst dabei die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) für Personengesellschaften oder die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) für Kapitalgesellschaften. Für Kapitalgesellschaften wird zudem häufig eine Planbilanz gefordert. Diese Unterlagen sollen der Bank zeigen, dass Sie Ihr Geschäft organisatorisch und kaufmännisch verstanden haben.
Wie erstelle ich eine Liquiditätsplanung?
Eine Liquiditätsplanung ist eine Darstellung aller Zahlungen in ihrer zeitlichen Reihenfolge, um daraus den Kontostand (Cash-Bestand) zu ermitteln. Sie ist entscheidend für Ihre kurzfristige Zahlungsfähigkeit und sollte immer erstellt werden, insbesondere für zyklische Geschäfte wie Bau, Touristik oder Saisongeschäfte. Eine Liquiditätsplanung sollte mindestens 24 Monate umfassen und erfordert zwingend auch eine Investitionsplanung. Die Liquiditätsplanung hilft Ihnen, den Kapitalbedarf abzulesen und zu erkennen, wie Sie lange Zeiträume bis zum ersten Zahlungseingang finanziell überbrücken können, beispielsweise durch Vorkasse von Kunden oder längere Zahlungsziele von Lieferanten. Wenn Sie Ihr Unternehmen ausschließlich nach dem Kontostand führen, besteht bei zyklischen Geschäften ein hohes Risiko des Scheiterns.
Was ist der Unterschied zwischen internem Businessplan und Kapitalmarketingunterlage?
Der Begriff „Businessplan„ meint ursprünglich den Plan des Unternehmers, der alle geschäftlichen Aspekte des Vorhabens, wie Wertschöpfung, Marketing, Geldströme und Risiken, umfasst. Dieser Plan kann sich im Kopf des Unternehmers befinden oder schriftlich fixiert sein. Eine „Kapitalmarketingunterlage“ ist hingegen eine speziell ausformulierte, schriftliche Version des Businessplans, die benötigt wird, wenn der Unternehmer Geld von externen Institutionen (wie Förderstellen, Banken oder Investoren) beschaffen möchte. Der interne, gedankliche Plan ist für solche Zwecke nicht ausreichend, da diese Institutionen eine detaillierte und schriftliche Beschreibung des Vorhabens verlangen. Weitere Details zur Finanzplanung finden Sie unter Finanzplanung.
